Er wird von seinem Hund gefickt. Naja, zumindest von ihm bestiegen. Er – das Monster des Jahrhunderts. Er kann seinen Urin nachts nicht halten, weil er von Alpträumen geplagt wird. Er hasst seinen Vater. Er ist ein erbärmlicher Mensch, kein wirkliches Monster also.
Er war immer der Mann, der mir Angst einjagte als ich noch klein war. Es war „damals“ alles dunkel. Schwarzweiß sozusagen. Alle waren abgemagert und liefen in Sträflingskleidung umher. So war das Bild. Später stieg man in den Schuljahren auf und lernte das Umfeld zu begreifen oder die aktuelle Interpretation der damaligen politischen Ereignisse zu verstehen. Man untersuchte auf Folien die „multikausalen Zusammenhänge“, die zu der Katastrophe führten. Man zog sich „100 Jahre – Der Countdown“ von 1932 – 1946 rein. Und man begriff… nichts. Wie oft stellte ich mir vor, was Hitler wohl gedacht oder gesagt haben wird in seiner freien Zeit, in seiner Muße. Doch man wusste es nicht.
Witze spielten in diesem Themenbereich keine Rolle. Alles war immer ernst und unklar. Selbst Witze wie:

Wie hieß Hitlers Motorrad? …. Kawanazi mit Doppelvergasung.

wurden nur hinter vorgehaltener Hand erzählt. Diese Witze sind ja auch arg geschmacklos, doch das begreift man erst später. Und über all diesem trohnten die Juden. Sie, die durch das Regime nicht nur ermordet und gequält wurden, nein, denen das Leben geraubt und buchstäblich durch den kollektiven Tod in Lagern die Würde abgetrennt wurde, galten als Bollwerk dafür, sich über das Dritte Reich, seine Angehörigen und seine Verbrechen nicht lustig zu machen.

Man machte sich auch nicht darüber lustig. Man nahm sich überhaupt ungern des Themas an. Die einzigen, die gern darüber sprachen waren Politiker und die Medien. Das Volk, besonders die, die zu den „betroffenen Jahrgängen“ zählten schwiegen oder brachen die Diskussion mit einem: „Ach lass‘ doch die alten Geschichten beiseite.“ oder „Das wurde doch schon so oft durchgeleiert.“ ab.

Und doch muss jede Generation dieses Thema von Neuem bewältigen, fassbar machen. Von Neuem die Diskussion aufnehmen und die alten Fragen vermutlich noch einmal stellen. Dabei ist die unsrige nun die erste, die dies neben Monumentalwerken auch mit „Humor“ versucht.

Viel ist mir nach der Vorpremiere von „Mein Führer“ nicht im Gedächtnis geblieben. Gelacht habe ich, sicherlich. Doch irgendwie blieb der Film erstaunlich farblos in mir. Viele gute Gags wurden bereits in der Vorschau verbrannt. Die Schauspieler waren okay, wenn auch nicht sensationell. An manchen Stellen habe ich mich gefragt: „Muss das sein?“ Aber sonst ging der Film ohne Aufregung und Aufreger an mir vorbei.

Bei Sven nicht. Ich weiß nicht, ob es stimmt, dass diese Jungnazis vorsätzlich zum Stören instruiert in der Vorstellung saßen. Irgendwie macht mir das auch weniger Sorgen. Den Störern geht es nur um „Anwesenheit und Einschüchterung„. Vielmehr bereitet es mir Kopfzerbrechen, dass sich viele diesen Film nicht ansehen werden. Einfach weil sie wieder die betroffenen Jahrgänge sind und die Geschehnisse weiterhin als Historismus betrachten. Etwas, das vorbei ist. Etwas über das man nicht spricht und schon gar keine Witze macht.