Ich habe flickr lieben gelernt. Nach anfänglicher Euphorie und einer Anmeldung mit ersten Bilder verkam der Account zu einem umfangreicheren Portfolio für Fotos, die auf tageausglas.de nicht präsentiert werden konnten oder als kleine Galeriemöglichkeit für Fotos von urbandesire.de. Doch der richtige Community-Hype kam bei mir nie auf. Um Kommentare und neue Anstöße für Bildmotive zu erhalten, muss man sich bei flickr jedoch engagieren, d.h. Gruppen beitreten, Fotos bewerten, Fotos zur Diskussion stellen usw. Ich hatte nie richtig Lust dazu.norbert

Trotzdem traf man immer wieder Leute, die auch flickrn. Und so gewann ich beim Durchstöbern derer Fotos wieder Lust mich einzubringen. Seitdem habe ich mich in einer ganzen Reihe von Gruppen angemeldet, kommentiere und bewege mich durch alle möglichen Diskussionsforen. Tja und was fällt mir da auf: die Max Magazine-Group. Das deutsche Magazine, mit durchaus interessanten Fotos und Bilderstrecken, hatte sich bei flickr eine öffentliche Fotogruppe zu gelegt. Dies bedeutet, dass jeder der mitmachen will, das auch kann. Bedingung ist, dass man die Urheberrechte der Bilder besitzt und täglich nicht mehr als zwei Bilder an die Gruppe sendet. Den Lieblingen der Redaktion, die am Ende einer Woche von dieser ermittelt werden, winkt durchaus eine Veröffentlichung im monatlich erscheinenden Magazin. So gesehen, stellt das eine schöne Möglichkeit für jeden einzelnen Hobby- und Amateurefotografen dar, seine Bilder „einer großen Öffentlichkeit“ (Auflage des Magazins ca. 200000) zu präsentieren. Somit stehen den flickr-Usern monatlich in der Zeitung 6 Seiten zur Verfügung, die sie mit ihren besten Bildern aus der max-Competition füllen können.

Auf der einen Seite könnte man dies begrüßen und schreien: „Jaaa wieder eine Verknüpfung zwischen (Achtung Modewort!) Web 2.0 und den klassischen (Print-)medien“; aber man könnte sich auch fragen, wieso die Zeitung freiwillig sechs Seiten teures Druckgut einfach an „Hobbyknipser“ verschenkt? Zum einen ist da die Möglichkeit kostenlos, also ohne Bildrechte zu kaufen und eine großartige redaktionelle Arbeit zu leisten, einige Seiten mit „Inhalt“ zu füllen. Ob es dem Verkauf der Zeitung zuträglich ist, sei mal dahingestellt, da die paar Flickr-User, die jene Ausgabe, in der ihr Foto erscheint, kaufen, sicherlich nicht das Gros der Max-Kundschaft ausmachen können und die Zeitung nicht aus ihren schlechten Zahlen heben werden.

Eine weiterer Kritikpunkt stellt dabei der Verlust der Professionalität dar. In allen Bereichen der Pressefotografie werden die ausgebildete Fotografen, aber auch die alten Hasen, durch mehr oder minder befähigte Amateurfotografen verdrängt. Die Feuilltons führen das auf die Immerdabei-Handykameras zurück. Ich sehe es in der Tatsache, dass professionelle und semiprofessionelle Fotoapparate (300d, 350d, 20d, 30d, d50, d70, d80) zwar immer noch sehr teuer, jedoch bezahlbar geworden sind. Man konnte jetzt zwar unterstellen, dass die genannten digitalen Fotoapparate noch keine wirklichen Profigeräte sind. Doch einer Redaktion ist es egal, ob ein Fotos aus einer d50 oder einer 1D Mark II kommt.

Somit dringen Amateurfotografen mit ihren digitalen Spiegelreflexkameras und Photoshop bewaffnet in den Markt der professionellen Fotografen ein. Und diese, die ihren Lebensunterhalt komplett mit Fotografie verdienen, bekommen das zu spüren. Und das nicht nur indirekt bei Max, wo 6 Seiten für potentielle Profifotografien von Amateurfotografen besetzt werden, sondern auch beim Stern. Der mit der Einführung seines Ablegers „VIEW“ auch ein Portal – die VIEW-Fotocommunity – schuf, in welches Fotografen Bilder und Fotoserien einstellen können. Während die VIEW-Fotocommunity darauf ausgelegt ist, junge Talente bekannt zu machen, versucht das ebenfalls vom Stern betrieben Fotoportal augenzeuge.de redaktionellen Inhalt preiswert zu ergattern. Der Fotograf eines abgedruckten Pressefotos erhält bis zu 1000 Euro (für eine Doppelseite). Diese sind Preise sind vielleicht nicht jenseits der sonstigen Honorationen, jedoch stellt das Fotoportal ein Einfallsmöglichkeit tausender junger Fotografen und Knipser dar, den Profifotografen mit ihrem Hobby die Aufträge und Veröffentlichungsmöglichkeiten wegzunehmen.
Doch es geht noch weiter. Auch die Bildzeitung gewährt Honorare für erschienene Bilder (500 Euro bundesweit, 100 Euro regional). Deren Portal Leser-Reporter bildet somit den direkten Einstieg eines jeden Einzelnen in die Paparazzifotografie.

Wo sind die Ursachen zu suchen?
Es ist zum Einen das System. Die Redaktionen stehen oftmals immer unter Zeitdruck, dies gepaart mit Personalmangel lässt den Gehalt und die Qualität von redaktionellen Inhalt inklusive Fotos sinken. Zeitungen müssen heute noch mehr wirtschaftlich denken und so genügt ein Blick in die Honorarliste von journalisten.com, um zu sehen, dass ein selbstständiger Fotograf bei Preisen von 10 Euro (TLZ) pro Bild kaum Leben kann. Auch werden die Investitionskosten, die ein professionelles Equipement hervorruft (inklusive EBV), kaum refinanziert. Der Fotograf muss diese Kosten selbst tragen und sich früher oder später auf anderen Gebieten einen Namen machen.

Betrachtet man nun die Fotos vieler regionaler Zeitungen,fragt man sich schon wer die geknipst hat. Oftmals ist es der Journalist oder freie Mitarbeiter, der dies mit der „Redaktionscam“ oder seiner eigenen bewerkstelligt hat. Aber auch die Redaktionen, die oftmals über den Vorteil eines guten und aussagekräftigen Fotos nicht wirklich Bescheid zu wissen scheinen, trifft eine Mitschuld. Sie verlangen vom Fotografen meistens nicht nur ein Bild in ausreichender Qualität, sondern auch redaktionelles Wissen und Informationen, die sie in die Zeitung bzw den Artikel einfließen lassen können. Der klassische Arbeitsstil – der Journalist geht zur Veranstaltung und schreibt darüber; der Fotograf geht zur Veranstaltung und macht die Fotos – scheint vorbüber zu sein. Eine integrierte Variante des Reporters mit Fotografentätigkeit stellt heute den Redaktionsalltag dar und war die einzig logische Konsequenz. Daneben etablieren sich auch Graswurzeljournalisten – die freien Mitarbeiter, die auf Abruf bereitstehen und somit weterhin die Fixkosten der Redaktion senken. Wieder ein Maul, was nicht gestopft werden muss.

Die Entwicklung von Onlineredaktionen und Blogcommunities scheint den Trend der sterbenden Printmedien mittelfristig nur beschleunigen zu können, da in unserer heutige Gesellschaft kein umfassendes Wissen mehr gefragt ist, sondern nur noch bloßes „Informiertsein“ und dies durch kurze häufig „zusammenkopierte“ Texte schneller möglich ist als durch den Kauf von beschriebenen Papier.

Na dann: „Gut‘ Licht.“