Ich denke nur wenige von euch haben den Film „em@il für dich“ gesehen. Insgesamt schlängelt sich die Liebesgeschichte um die Existenz von zwei Buchläden: Einmal die riesige Filiale von Fox-Books (Tom Hanks) und dem kleinen „Laden an der (um die) Ecke“ (Meg Ryan). Und wie es immer so ist, verdrängt natürlich der riesige kapitalistische Buchladen das kleine Buchgeschäft (eigentlich ein Kinderbuchladen).buch Es gibt jedoch eine entscheidende Szene: Nachdem der kleine Buchladen mangels Kunden geschlossen werden musste, begibt sich Meg Ryan Monate später in die „Filiale des Bösen“ und belauscht unter Tränen ein Gespräch zwischen einer Kundin und einem Verkäufer, der nicht wusste von welchem Buch die Kundin sprach und was sie eigentlich wollte, da er die Geschichte, die von Kundin nur bruchstückweise wiedergegeben wurde, nicht kannte. Meg Ryan mischte sich nun heulend ein, weil sie als ehemalige Besitzerin eines kleinen „liebvollen“ Buchladens die Bücher natürlich las, die Geschichten kannte und sofort den Titel des gesuchten Buches nennen konnte.

Jetzt stellt sich mir die Frage ist das wirklich so? Na gut; klar ist, wenn ich in einer modernen Thalia– oder Hugendubel-Filiale ein Buch suche, muss ich mindestens Titel und Autor kennen (am besten natürlich die ISBN). Aber war das schon immer so? War es früher vielleicht möglich hineinzuspazieren und mit Metainformationen (also weden Autor, Titel, Verlag und ISBN) und trotzdem das richtige Buch zu finden. Dies würde ja grundsätzlich bedeuten, dass die Verkäuferinnen und Verkäufer in Buchhandlungen mehr sein müssten als Kassiererinnen und Regalauffüller.

Nach dem erfolglosen Lesen dieses Buches und auch anderer Bücher wünsche ich mir derzeit schon sehr eine kompetente Verkäuferin, die anhand meiner Lesegewohneheiten meinen Geschmack ermitteln kann und mir „Leseempfehlungen“ geben kann. Aber dieser Wunsch wird wohl unerfüllt bleiben. Und so stöbere ich mich bereits zum vierten Mal durch die Regale und bin mit keinem Buch zufrieden.


Wenn es vielleicht früher solche Verkäufer gab, dann sind sie, seit der Social Effekt des Internet vollends zur Ausfaltung gekommen ist, ausgestorben. Denn der anonymisierte Buchkaufprozess via amazon.com mit dem „großen“ Vorteil der Empfehlungen anderer Kunden hilft mir auch nicht weiter. Denn eine Beratung über Social Effekt findet nur statt, indem man angezeigt bekommt, was andere Käufer diese Buches sich ebenso gekauft oder angesehen haben. Leider bin ich aber nicht unbedingt ein Freund von digitalen Empfehlungen: Denn wenn ich mir nur die Kritiken des Buches von Begley „Der Mann, der zu spät kam“ ansehe, finde ich von einem „unbedingt lesen“ bis „total langweilig“ (was dann auch meiner Empfehlung nahe kommt) alles vor. Aber halt werdet ihr hier einwerfen: Amazon erstellt doch ein Käuferprofil von jedem Kunden und klatscht einem da ein Seite mit empfohlenen Büchern zusammen. Da muss doch jetzt was drin sein. „Stopp“ werfe ich wiederrum ein und erinnere euch daran, dass sobald ein Fachbuch bestellt wird, dieses auch in die Empfehlungen einfließt, alles auf den Kopf stellt und somit auch diese Funktion unbrauchbar macht.

Somit ist man als Leser stets auf der Suche nach Etwas neuem, weiß aber nie, ob dieses oder jenes Buch das richtige ist. Auch Feuilletons bieten nicht die geeignete Plattform. Zwar werden die Bücher von vermeintlichen Fachkompetenzen (Reich-Ranicki oder Kararsek und wie sie alle heißen) besprochen, doch sind es weider nur Einzelmeinungen, der Empfehlungen ebenso fragwürdig sind, wie Amazon-Empfehlungen.

Wie oft habe ich da die romantische Vision einer älteren Dame, die mir mit ihren Buchempfehlungen und persönlichen Kontakt in Form der Kenntnis meines Geschmackes, sowie dem Willen diesen zu erweitern und zu stimulieren, weiterhilft, in einem Buchladen und bei einer Tasse Tee Kaffee (Oh Gott; Getränke in einem Buchladen) mit mir über Bücher und deren Inhalt „schwatzt“.

Da es sowas vermutlich aber nicht mehr gibt, bleibt einem nur die Suche nach neuer lesbarer Literatur in Feuilletons, Dan-Brown-Buchhandlungen und dem kranken Internet mit Hilfe des beliebten und gehassten „Try-Error-Systems“. Die „Buchindustrie“ wird es freuen.