links for 2014-06-07

  • „Die Gefahr einer Unterwanderung der ‘Tierschutzpartei’ durch demokratieferne Strömungen wie Rechtsextremismus und ‘Religionsgemeinschaften’ wie UL ist latent vorhanden und hat teilweise bereits Erfolge erzielt. Das wird durch Ignorieren der ‘Tierschutzpartei’ von Seiten der Medien unterstützt. Wer unter dem Radar der öffentlichen Meinung fliegen darf, hat ernsthafte Kontrolle nicht zu fürchten.“

  • „Ende 2013 haben wir unser Auto dann tatsächlich verkauft und sind jetzt seit einem halben Jahr ohne eigenes Fahrzeug. Zeit für eine erste Zwischenbilanz.” sehr interessant. Vor allem die Zahlen, Kosten und persönlichen Einschätzungen. Ich spiele ja auch immer wieder mit dem Gedanken, aber für mich ist Carsharing – Bahn etc. mach ich ja schon – irgendwie in meiner Stadt noch nicht präsent genug.

  • „«Das Problem ist, dass vor allem die wohlhabende Elite wählt», sagte Gnarr. «Deshalb wird die Politik auch für sie gemacht. Money talks, bullshit walks.“ Toller und langer Beitrag über die Bürgermeister-Amateure von Reykjavik.

  • „Die Diskrepanz zwischen der KOMPAKT-App und dem von ihr angebotenen Inhalt lässt sich am besten mit einer Analogie aus eurem Geschirrschank beschreiben: Wenn wir uns die App als Tasse vorstellen, als die schönste Tasse, die euer Esszimmer-Schrank hergibt. Aus einem wertigen Material, handwerklich makellos verarbeitet, getragen von einem perfekt geschwungenem Griff und handbemalt mit euren Lieblingsfarben. Dann gleicht der Inhalte einem Schluck Brackwasser aus dem Auffangbecken eines vernachlässigten Klärwerkes. Im Osten der UDSSR. 1970.“

  • „Adidas verdoppelte die Zahlungen auf 20 Millionen Euro jährlich und bekam den Zuschlag bis 2018. Das ist weit unter Marktwert, schätzen Experten. Nike warb Adidas darauf den französischen Fußballverband ab, der erhält nun mehr als 42 Millionen im Jahr. Die Marketing-Abteilung des DFB erhielt Medienberichten zufolge Dankesanrufe von den französischen Kollegen.“ Adidas ist ja auch Thema in der aktuellen Folge der Anstalt: http://goo.gl/5zvzhc

  • Es ist war ja bald wieder WWDC. Und rechtzeitig dazu, werden an vielen Stellen wieder Überlegungen und Wünsche zur Zukunft und Entwicklung der verschiedenen Produktsparten geäußert. Michael Grothaus hat aus Entwickler- aber auch Anwendersicht eine umfangreiche, mit Aussagen zahlreicher Experten gespickte Analyse über OS X geschrieben. Sehr lesenswert.

    Reform der Lehrpläne: Die Schreibschrift stirbt aus

  • Also wenn ich mir meine Schreibschrift betrachte, so meine ich hat die Ausbildung zur deutschen Normalhand(schreib)schrift nicht viel gebracht.

links for 2014-05-11

  • Was soll man sagen dazu… Vlt.: it depends on. Im allgemeinen kann ich bestätigen, das die Menschen sich teilweise kaputtmachen. Das liegt aber auch an der Art der Arbeit. Sie lässt sich oftmals nicht wegschieben, und räumt sich plötzlich extrem viel Platz auch im Privatleben ein. Die Grenzen verschwimmen. Auf der anderen Seite kenne ich auch Leute, die sich nicht kaputt machen.

  • „Weil sie der Erfahrung ein Übergewicht einräumen, haben Konservative einen verzerrten Blick auf die Welt. Ihr Festhalten am Status Quo bewahrt zwar oft das Gute, verhindert aber auch das neue Gute.“

  • In amerikanischen Do-it-Yourself-Technologieblogs ist alles immer so einfach. Scheitern als Chance, Was heißt eigentlich wirklich glücklich sein etc. Blabla. Der größte Mist, dem ich seit lange, gelesen habe.

  • „Fast sieben Millionen Deutsche haben eine 45-Stunden-Woche. Trotz technischen Fortschritts gelingt es unserer Gesellschaft nicht, weniger zu arbeiten. Warum eigentlich?“

  • Wieder mal ein wunderbares Stück aus der Reihe Kritik der Technologiekritik. Habe mich auch schon immer gefragt, woher diese inflationäre öffentliche Bekanntmachung von Autofahrern stammt, die sich mit dem Navi in eine missliche Situation verfrachtet haben.

    Die lukrative Lügenwelt der Pornobranche | Die Freiheitsliebe

  • „Pornos sind nicht falsch, weil sie Sex explizit darstellen. Sie sind falsch aufgrund der Art und Weise, wie sie ihn darstellen: frauenverachtend, rassistisch und gewaltvoll und weil der gesamte Porno-Mainstream-Bereich inzwischen von Hardcore-Material dominiert wird, hinter dem die extreme Ausbeutung derer steckt, die in ihnen performen.“

  • „We are everyday robots on our phones / In the process of getting home", singt Damon Albarn im Titelstück seines neuen Albums. „Looking like standing stones", heißt es dann noch, ins Mythologische ausgreifend. Wir versteinern, weil wir das Gesicht nicht mehr vom Display abwenden können." Mal als Einführung in dieses absolute textlich-musikalisch herausragende Album. Auch der englische Wikipedia, bei dem diese Rezension sich intensiv bedient hat, ist sehr zu empfehlen.

Status

Ich weiß nicht, woran es liegt, aber ich kann mobil einfach nicht bloggen. Ich mag die WordPress-iOS-App durchaus gerne. Aber nur, wenn es darum geht mal eben fix einen gefundenen Fehler in einem bestehenden Artikel auszumerzen. Aber einen regulären Beitrag verfasse ich so ungern damit. Anders als Federico Viticci, der beeindruckender Weise seinen kompletten Workflow auf das iPad ausgerichtet hat und darüber zahlreiche sehr interessante Artikel verfasst hat. Aber gut, er nutzt ja nicht die WordPress-App, sondern Editorial und hat offenbar auch ein ganz eigenes CMS für das Blog macstories.

Noch dazu bin ich immer wieder mit dem gegenwärtigen Aussehen von urbandesire.de unzufrieden. Habe aber auch keine Zeit, mich wirklich um die Theme-Entwicklung zu kümmern. Während es mich lange Zeit nervte, dass mein Theme durch Sidebar und Klimbim von den Artikel ablenkte, und ich dazu entschied auf ein neues Theme zu setzen, dass die Texte in den Vordergrund rückte, war es mir dann wieder zu kahl und zu umständlich auch permante Inhalte wie Menüs, Blogroll etc. einzupflegen. Deswegen habe ich heute mal wieder auf ein neues Theme umgestellt, dass so etwas wie einen Kompromiss darstellt. Ein bisschen Menü und Klimbim oben und unten… und der Rest fokussiert sich auf die Texte.

Es nervt sowieso, dass diese ganze Widgetisierung der WordPress-Themes, ihrer Anpassbarkeit so stark zusetzt. Wo man früher einfach mal einen html-Schnipsel irgendwo hinzufügen oder mal eben fix Schriftgröße oder Linkauszeichungsfarbe in der CSS-Datei varieren konnte, muss man heute endlos komplizierte Stylesheets durchwühlen und rumtesten, bis man die Funktion gefunden hat, die Wirkung zeigt. Na klar, dem Laien wird es nun wesentlich einfacher gemacht im Rahmen des vorgebene Algorithmus das Theme nach seinen Wünschen anzupassen, wer diese Regeln aber verlassen will und nur ein interessierter Laie und kein html/css/php-Profi ist, hat es nun ein ein ganze Ecke schwerer. Oder man setzt halt auf ein altes, simples Theme und nimmt sich die Zeit ein eigenes Child aufzubauen, der den Vorstellungen entspricht. Aber wer macht das schon bzw. wer hat dafür noch Zeit?

Egal. Interessanter ist es aber, dass viele der alten Bloggerkollegen und -kolleginnen (muss man jetzt eigentlich gendern…?) verschwunden und/oder unbekannt verzogen sind. Einige wenige Leuchttürme der ehemaligen Jenaer und Thüringer Blogosphäre, in der ich persönlich Social-Mediamäßig sozialisiert worden bin, existieren noch und blubbern so fleißig vor sich hin… aber viel sind verschwunden oder nur noch bei twitter, oder so. Das ist lustig, da ich meiner naiven und jugendlichen Leichtsinnigkeit immer gedacht habe, so Bloggen, das ist eine Wesenfrage und somit eine Sache für die Ewigkeit. Wer einmal damit angefangen hat, der wird nie wieder aufhören. Aber so ist es nicht. Leben ändern sich, Prioritäten variieren und Zeit wird knapp. Dies gilt vor allem, wenn man mit seinem Blog nie so richtig die Anonymität verloren hat. Also nie „Erfolg“ hatte oder populär geworden ist. Diejenigen, die es geschafft hatten, sind mehr oder weniger immer dabei hängengeblieben. Egal.

 

 

links for 2014-04-07

  • »Ich sage das zuweilen auch ganz offen: dass mir Kinder am sympathischsten vor dem fünften Lebenstag sind. Da kann ich sie in den Brutschrank stellen, und sie sind still. Wenn meine Patienten dann später mit ihren Neugeborenen in der Praxis vorbeischauen, freue ich mich natürlich schon, weil ich meinen beruflichen Erfolg in dem Moment ganz anschaulich vor mir sehe. Dann sage ich meinen Standardspruch: »Dich habe ich schon als Vierzeller gekannt, und diese Tatsache wird ihre Faszination nie verlieren!«  – Embryologin Helena Angermaier zum Thema „Sibylle Lewitscharoff“

  • „Cobain’s work nailed how a ton of people feel“ – Cooper ist also für diese MTV-Weisheit verantwortlich, dass Cobain als einziger die Gefühle einer ganzen Generation besang und beschrie.

  • „Die Werke der sogenannten flüchtigen Künste wie der Musik, aber auch des Theaters und der Literatur, haben ihre Existenz immer nur momentweise, für den Augenblick ihres Gespielt-, Gesprochen-, Gelesenwerdens. Damit sie überhaupt reproduzierbar sein konnten, wurden im prätechnischen Zeitalter die Bedingungen ihrer Aufführung, ohne welche sie ja gar nicht noch einmal ins Sein hätten kommen können, zeichenhaft codiert. Diese Codes sollten aber nicht mit den Werken selbst verwechselt werden.“   – Ein paar schöne Gedanken zur Ontologie flüchtiger Kunstwerke.

  • „the iPhone is a sale that keeps on giving — at least in the U.S. Once a customer has bought one, he or she is likely to come back for another, usually within two years, when that contract expires.“ – wenigstens bei einer Sache schwimme ich gegen den Trend. Mein iPhone ist Ende April 4 Jahre alt. Es ist ein 3GS mit dem dritten Digitalizer und 2. Akku.

  • „It wasn’t just people, animals and trees that were affected by radiation exposure at Chernobyl, but also the decomposers: insects, microbes, and fungi…“

  • Mhh. Es ist schon recht unplausibel, was Clemens Gleich in seiner Kolumne als Luxus durchgehen lässt und was nicht. Smartphones kaufen (alle 1-2 Jahre) oder Nespresso-Kaffeemaschinen sind die überbordend dekadent. Mit 200 Sachen über die Autobahn oder Landstraße brettern dabei massig Leben gefährden und Sprit quasi in die Umwelt kippen ist nicht dekadent – jedenfalls nicht überbordend. Scheint mir jetzt auf Anhieb nicht plausibel.

Stay the same.

Seasons change,
it will never be the same.
I’m hopin’ I won’t stay the same.
Reasons strange.
Why we all must play these games?

 

Die kalte Hand schiebt sich an der feuchten Socke entlang. Die Socke ist verknäult und irgendwie hat es die Waschmaschine nicht geschafft, die Fusseln aus der Stoffstruktur herauszulösen. Nach dem Versuch zwei, drei dieser Fusselbündel herauszulösen, gebe ich entnervt auf. Die Werbung lügt. Man kann  seine schmutzige Wäsche nie so waschen, dass sie im Anschluss daran wirklich rein ist. Irgendetwas, seien es auch nur kleine irritierende Fussel, bleibt immer hängen. 

Symptomatisch wie mir scheint. Habe ich noch schmutzige Wäsche zu waschen? Bin rein? Schuldlos? Schmutzige Wäsche hat jeder. Das lässt sich einfach nicht verhindern. Wichtiger scheint aber der Zeitpunkt, wann man sie wäscht. Der Zeitpunkt also, an dem man sich wieder zur Reinheit bekennen will. Während sich bei der anschließende Nach-Hausarbeits-Zigarette der Rauch des verbrennendenen, sich zu Asche wandelnden Tabaks mit dem Geruch des Weichspülers vermengt, denke ich darüber nach, wann ich also meine Wäsche immer so gewaschen habe? Tat ich es rechtzeitig? Bin ich momentan rein? Ich muss mit einer gewissen Genugtung zugeben, dass ich es zumindest immer versucht habe, rechtzeitig den Korb in die Maschine zu werfen, das Vollwaschmittel aus Entschuldigungen und den Weichspüler aus Reue hinzuzukippen und der Waschtrommel dabei zuzusehen, wie sie sich in Bewegung setzt und dabei das Programm anläuft, an dessen Ende meine Weste rein, die Entschuldigung angenommen, die Schuld abgewaschen ist. Außer einmal.

Ich kann mich an einige solcher Waschetage erinnern, an denen alle Beteiligten die Trommel zustopften und auf das reinigende Programm der Vergebung hofften. Um jetzt mal mit dieser widerlichen Waschmaschinen-Metaphorik zu brechen, solche Gespräche sind etwas Widerliches. Ich finde sie vor allem anstrengend – wenn man sich nichts vorwerfen kann; wenn man sich nicht betrogen hat, wenn man sich nicht belogen hat, wenn man sich nicht weh getan hat – aber trotzdem etwas nicht stimmt und man zur Einsicht kommt, dass es so nicht weitergeht.

Ein Gespräch war anders, denn ich war beschmutzt. Es war irgendwann im Frühjahr nach einer euphorischen und intensiven Zeit über die Wintermonate. Gleichsam mit dem Tauwetter, das Pflanzen und Steine aus der Eiskruste befreit, wurde unsere oder vielleicht auch nur meine fixierte Liebe befreit. Ich war zu dem Zeitpunkt enorm unglücklich. Fühlte mich allein, fühlte mich stets versetzt und begriff nach einer Zeit des Unverständnis dieser Situtation, dass die angesetzten Erwartungen an das Uns, nicht eingeholt werden können. Und so striffen wir vermutlich wochenlang wie Tiger um das letzte Stück Fleisch, ohne erkannt zu haben, dass es längst verdorben war. Aber stabil instabile Zustände, so auch der einer kaputten Beziehung, sind einfach nicht so leicht zu ändern. Ich begann aus der Enttäuschung und einer gewissen Machtlosigkeit heraus Fehler zu machen und beschmutzte meine Weste. Aber diese war zu dem Zeitpunkt, und das soll jetzt irgendsoetwas wie Rechtfertigung sein, eh’ schon zerissen und zu nichts mehr zu gebrauchen.

Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus: Mit pochenden Herzen besuchte ich sie und ging nach wenigen Minuten oberflächlichem Geplänkel und einem kühlen Kuss zum Angriff über und beendete die Beziehung. Einfach so. Ich veriet nicht, dass ich jemanden kennengelernt hatte und mir eigentlich schon die Finger, wenn nicht gar die Hände, verbrannt hatte. Das Gespräch endet ohne Tränen, sondern mit einer seltsamen Erleichterung auf beiden Seiten. Ich bin mir nicht sicher, ob sie jemals erfahren hat, was damals die wirklichen Gründe des Ende unseres Uns waren. Oder ob sie jemals erfahren hat, dass es Möglichkeiten für einen Fortbestand gegeben hätte. Bei einem kleinen Fingerschnips von ihr… oder einem Klaps in die richtige Richtung. Es kam aber anders und bis heute liegt dieses Bündel dreckige Wäsche hier herum. Es tut mir noch heute unendlich leid.

Vielleicht ist dieses Bündel auch der Grund, warum ich sie nach diesem letzten Gespräch nie wiedergesehen habe, nie wieder gesprochen habe. Es ist wirklich seltsam, wenn ich heute, als die Zigarette herunterbrannte, daran denke. Und das Perfide in unseren heutigen Zeiten sind die sozialen Netzwerke und ihre nie endenden Freundschaften. Man war sich nah, spürte sich körperlich, hoffte auf Zukunft und ließ die jeweils eigenen Universen kollidieren. Und dann… nach einem solchen Waschgang entfernt man sich endlos, nur um sich dann nie ganz aus den Augen zu verlieren, weil stets ein nichtsagendes Profil mit immer unverständlich werdenderen Statusmeldungen gefüllt wird. Gerade am Anfang waren diese sozialen Netzwerke für mich eine Qual. Auf der Topliste ganz oben: Partyfotos. Sie lächeln zu sehen, in Armen Fremder machte mich fertig. Doch die Zeit und die Sache mit den Wunden tat ihr Übriges. Es verging. Die Universen entfernten sich.

Ich kann es heute trotzdem irgendwie einfach nicht fassen, dass ich sie nach all dem – für mich Bedeutendem –nie wieder gesprochen habe. Sicherlich legte es damals keiner darauf an. Ich aus Schuld. Sie vielleicht wirklich aus Desinteresse oder verborgener Kränkung. Oder es ist einfach passiert. Aber es schockiert mich trotzdem. So weiß ich heute einfach nicht, ob sie noch dieselbe ist, ob sie noch das gleiche Lachen hat, das gleiche Denken…? Seltsam, was das Leben so für Wege geht. Das Bündel dreckige Wäsche wird wohl ewig hier liegen bleiben.